Quelle: Techrush
15 Jahre nach dem Erscheinen der letzten Erweiterung im Gothic Franchise war es am letzten Freitag soweit – das Gothic Remake öffnete die Barriere, um neue Sträflinge aufzunehmen. Als großer Liebhaber des Franchise konnte ich es mir natürlich nicht nehmen ebenfalls einen Blick hineinzuwerfen.
Von der Community über den Playable Teaser
Um zu verstehen, wie wir zu dem Remake gekommen sind, müssen wir verstehe, wie die Community aufgebaut ist und was das Besondere ist. Gothic 1 erschien bereits 2001 und war Vorreiter in Sachen 3D-Videospiele, aber auch in den Mechaniken und der Open World. Folgend erschienen ein zweiter Teil, dessen DLC und dann noch ein dritter Teil samt Erweiterung.
In Folge von Rechtsstreitigkeiten gab es dann einen Wechsel des Besitzers und einen ungeliebten vierten Teil, der sich vollkommen von der Hauptreihe gelöst hat und in der Fangemeinde niemals Gothic 4 genannt werden darf, wenn man dem Zorn Beliars entkommen möchte. Soweit zur schnellen Einordnung.
Das Besondere an der Gothic Reihe ist aber die Community, welches schlussendlich auch zum Remake geführt hat. Die ersten drei Teile der Reihe waren sehr gut modifizierbar, insbesondere Teil 1 und 2 waren durch die Hintergrundtechnologie für jeden Hobbyentwickler bearbeitbar, was zu einer Vielzahl von Möglichkeiten geführt hat. Gothic hat dadurch immer wieder einen neuen Frühling gefeiert, das World of Gothic wurde nie still und die Community hat immer wieder gezeigt, dass diese Reihe tief in ihrem Herzen verankert ist.
So kam es, wie es kommen sollte. Nach einer ganzen Weile kam 2019 aus dem Nichts ein Playable Teaser, welcher uns wieder in die Barriere warf und uns eine alternative Version des ersten Teils servierte. Auch ich habe den Teaser damals gespielt und war nur mäßig begeistert, da es sich wie jedes 0815-Action-RPG gespielt hat und der Held immer wieder mit sich selber gesprochen hat. Persönlich muss ich in der Retroperspektive sagen, dass dieser Ansatz gar nicht verkehrt gewesen ist und mehr künstlerischen Freiraum geboten hätte.
Das Gothic Remake

Das Remake war das Ergebnis der Kritik zum Teaser und sollte den ersten Teil in hübscher neuer Grafik aufbereiten, gleichzeitig lose Geschichtsstränge, die nie vollkommen aufgearbeitet wurden, beenden und einige Gebiete ausbauen.
In alter Gothic-Manier wurde der Release natürlich verschoben und es wurde bis zur letzten Minute am Spiel gearbeitet, was dem Spiel gut getan hat. Die Versionen auf der Gamescom waren noch sehr speziell, hier hatte auch ich den klassischen Absturz und hing das ein oder andere Mal an unsichtbaren Barrieren fest. Umso mehr Hoffnung hatte ich für das Vollspiel.
Am Freitag konnte ich dann via Playstation 5 und PC in die Kolonie starten. Die Steuerung auf der PS5 war etwas gewöhnungsbedürftig für mich und der erste Kampf eine hohe Schwierigkeit, was vielleicht auch an der Schwierigkeit Gothic lag. Nach einigen (mehr als 10) Versuchen hatte ich meinen ersten Goblin erledigt und das Gefühl, dass ich die Steuerung einigermaßen durchdrungen habe.
Dann kamen die Molerats…
Die Viecher haben eine völlig neue Art des Angreifens, die mich am Ende dann umgehauen hat. Ebenso wie der Steinwurf des Goblins, den man nicht unterbrechen kann, bietet das Spiel somit in diesem Aspekt bereits einiges Neues, um sich auszuprobieren.
Deutsche Synchro
Die Fans wurden im Vorwege eng eingebunden in die Auswahl der Synchronsprecher, was unter anderem zum jetzigen Diego geführt hat, der seinem Original in Nichts nachsteht, wie ich finde. Mit Bodo Henkel und Christian Wewerka kommen auch wieder zwei der bekanntesten Sprecher als Xardas und der Held zurück in die Story.

Die Kritik, die bereits vor Kurzem aufkam, dass die Abmischung des Helden unsauber wirkte, ist im „fertigen“ Spiel leider noch immer gültig. Der Held hört sich zeitweise an als wenn er zehn Meter entfernt steht, gleichzeitig ist die Betonung unsauber. Ab und an schreit der Held auf einmal oder antwortet von der Tonart überhaupt nicht passend als wenn Wewerka gar keine Ahnung gehabt hätte, was für ein Gespräch er gerade vertonen muss. In den einschlägigen Discords wird von vielen Spielern berichtet, dass sie das Spiel auf englisch gestellt haben, da es dort besser sei. Polnische Fans berichteten allerdings ebenfalls von einem leisen, kraftlosen Helden.
Bugs (nicht Fleischwanzen!)
Leider ist auch dieser Release nicht vor Fehler geschützt, die Alkimia allerdings schnell beheben möchte. Dazu gibt es bereits Formulare in sämtlichen Sprachen, welche die Bugs einsammelt, um sie in den nächsten Patch zu bringen.
Hier muss ich persönlich sagen, hat mein Spielspaß geendet. In der PC-Version war es für mich unmöglich Tests durchzuführen, da das Spiel immer wieder zwischen High zu Low FPS gewechselt hat, was es unspielbar macht. Dies kann daran liegen, dass die Unreal Engine sich mit meinem Gaming Laptop beißt, obwohl ich ansonsten alle Spiele in Ultra spielen kann. Gothic schafft es unter normalen Einstellungen oftmals nicht über die 20 FPS.
Ähnliche Probleme habe ich auf der Playstation, wo es zumindest flüssig läuft. Hier wurde bereits durch weitere Fans festgestellt, dass das Menü durch die Qualitätssicherung gerutscht ist. Zum Beispiel lässt sich die Bewegungsunschärfe zwar im Menü ausschalten, doch eine Änderung geschieht dadurch nicht. An anderer Stelle wurde berichtet, dass nach etwa 1,5 Stunden einfach alle Speicherstände gelöscht waren, andere Spieler können gar keine Speicherstände überschreiben, so wie ich auch.
Persönlich habe ich das Spiel am Samstag erst einmal wieder zur Seite gestellt, da es für mich unspielbar war. In meiner Variante sind die Gesichtsanimationen eingefroren und die Dialoge haben sich überlagert, wodurch mehrere Sätze gleichzeitig gesprochen wurde. Daher bleibt das Spiel nun liegen bis die ersten Verbesserungen eingearbeitet wurden.
Lockpicking

Das Schlösserknacken wurde in eine modernere Variante des Minispiels geändert. Zugegeben muss man sagen, dass sie die alte Version äußerst charmant ins 21. Jahrhundert gebracht haben, aber die Schwierigkeit ist unfassbar hoch.
In der neue Variante gilt es verschiedene Riegel nach links und rechts zu schieben bis alle Riegel in der richtigen Position stehen. Bisher habe ich erst eine Truhe geöffnet, da mir das Minigame zu komplex ist und das auch nur mit meiner Frau gemeinsam. Als Beispiel sei zu erwähnen, dass die Truhe im Turm bei Cavarlon über 50 Schritte benötigt, um geöffnet zu werden.
Fazit
Durch die Fehler, die mein Spiel aktuell in die Knie zwingen, kann ich nur den ersten Bereich beurteilen bis inklusive dem Alten Lager. Es kommt Nostalgie auf und ich finde mich direkt zurecht, kann die ersten Quests lösen und finde sofort ein Bett zum schlafen. Doch viele der neuen Features lassen mich innehalten und verzweifeln, so beherrsche ich das Schlösser knacken kaum und den Zwang wach zu bleiben, damit ich im Schlaf Gesundheit regenerieren kann, verstehe ich nicht.
Insgesamt gehe ich mit Metacritics Score von 73 mit. Ich weiß allerdings nicht, ob ich mit der Vertonung des Helden auf deutsch weiter spielen kann, da es mich immer wieder aus der Immersion holt, daher wird es definitiv nochmal einen neuen LootCheck geben.