Der Twitch-Insider und Streaming-Experte Devin Nash sorgte Ende Juli mit brisanten Anschuldigungen für Aufsehen: Laut eigener Recherche seien bis zu 86 % der Top-500-Streamer auf der Plattform in Viewbotting verwickelt – eine Praxis, die nicht nur die Werbewirksamkeit mindert, sondern auch kleinen Creatoren die Existenzgrundlage entzieht.
Nash schildert ein überraschendes Phänomen: Streams mit mittlerer Zuschauerzahl (500–1 000) erzielen bessere Werbeklicks als solche mit Zehntausenden Zuschauern. Seine Analyse zeigt zum einen, dass ein authentisches Publikum deutlich effektiver ist, aber auch, dass die Bots deutlich sichtbarer sind als gedacht.
Sein Team analysierte die obersten 500 Kanäle auf den Einsatz von Viewbotting und erzielte direkt einen Volltreffer. Er konnte nachweislich feststellen, dass etwa 400 bis 430 Kanäle von Bots betroffen sind. Hierbei muss man allerdings deutlich sagen, dass dies kein Indiz dafür ist, dass die Streamer selbstständig Bots einsetzen. Dies kann auch über andere Wege passieren.
Selektive Bestrafung
Man könnte an der Stelle meinen, dass Twitch vehement gegen Bots vorgehen würde, um den Ruf der Plattform zu schützen. Allerdings erscheint dies nicht der Fall zu sein, da laut Nash bereits ein Fall bekannt ist, wo der bekannte Streamer Ray J. offen zugegeben hat sich Viewbotting zu Nutze gemacht zu haben – ganz ohne Strafe durch Twitch.
Vorgehen
Um ein Botnetz zu erkennen müssen verschiedene Test durchgeführt werden. Unter anderem prüft man, wie das Verhältnis zwischen angemeldeter und nicht angemeldeter Zuschauer ist, dies gibt oftmals bereits das erste Indiz. Gleichzeitig werden bekannte Botnetz-Listen abgeglichen und Chat-Interaktionen ausgewertet, womit man einen guten Indikator erstellen kann.
Am Ende sind die Werbetreibenden diejenige, die das Nachsehen haben. Wer Geld investiert, um eine gewisse Zielgruppe anzuvisieren, der erwartet auch, dass es diese erreicht. Twitch wird vermutlich nicht viel länger drum herum kommen, sich der Viebotting-Thematik anzunehmen. Nash selbst ist zumindest der Überzeugung, dass es zeitnah eskalieren wird.